Gefahrene Route

Route in Google Earth/Google Maps verfolgen
Bilder in Google Earth/Google Maps betrachten

Montag, 2. November 2009

Es geht zu Ende

Speedway eben

Das Speedwayrennen in Kununurra war ein Spaß. In Deutschland findet Speedway ja meist auf Aschebahnen und nur mit Motorrädern statt. In Australien ist das anders. Hier hat jeder Ort über 3000 Einwohner eine Speedwaybahn die einfach nur ein großes Oval irgendwo im Busch ist. Tribünen gibt es nicht. Die Fans fahren einfach ihr Geländewagen rückwärts an die Strecke heran und diese dienen dann als Sitzersatz. Da werden Zweisitzersofas hinten drauf transportiert, damit man es bequem hat oder einfach eine Matratze auf den Dachgepäckträger in zwei Meter Höhe geworfen und die Kinder dann hinterher, der besseren Sicht für die Quälgeister wegen. Papi sitzt mit dem besten Kumpel direkt neben dem Eski (Kühltruhe) und parkt sich ein Bier nach dem anderen in den Hals. In den Rennen starten dann in verschiedenen Klassen unterteilte Autos aller Marken gegeneinander. In wilden Drift rasen sie im Kreis und werfen ab und an mit Dreck. In den Pausen gibt es den Burnout Contest der natürlich mit jeder Menge zerstörten Reifen endet. Also mir hat es gefallen!

Verlust…mal wieder

Von Kununurra geht es wieder Richtung Westen auf die Gibb River Road durch das Herzland der Kimberley. Die Strecke ist nicht weiter schwierig und nur ein sehr niedriger Fluss mit dafür sehr großen Steinen ist zu durchqueren. Kleinere Hügelketten durchziehen die Landschaft und es ist einigermaßen grün (nach australischen Verhältnissen). Der Höhepunkt sind allerdings die Gorges, die Schluchten, die durch Flüsse über Jahrmillionen in den Sandstein gefräst wurden. Als ich am Zeltplatz nahe der Bell Gorge ankomme, das Zelt aufbaue und mir kurz danach das Motorrad betrachte, bekomme ich einen Schreck. Mein Kennzeichen ist weg! Ich muss es irgendwo verloren haben. Ich hatte schon vor einigen Tagen bemerkt, dass es an der einen Schraube angebrochen war. Die holprige Piste hier hat ihm wohl den Rest gegeben. Schnell male ich mir ein neues Kennzeichen von Hand und befestige es mit Klarsichtfolie und Tape am Motorrad.
Am nächsten Morgen bade ich ausgiebig in der wunderschönen Bell Gorge. Das Wasser ist wunderbar kühl und man kann sich quasi seinen Pool aussuchen, da das Wasser sich immer wieder in Becken stromabwärts sammelt. Kleine Varane lungern am Ufer herum und lassen sich von der Sonne aufheizen. Mir lässt mein verlorenes Kennzeichen aber keine Ruhe. Ich beschließe bis zum letzten Rastplatz 100 km zurück zu fahren um es zu suchen. Vielleicht sehe ich es irgendwo liegen. Bis zum Barnett Roadhouse sehe ich nichts. Ich frage dort ob vielleicht etwas gefunden und abgegeben wurde aber Fehlanzeige. Ich fahre weitere 80 Kilometer zurück nach Osten und kehre dann um. Ich befürchte nicht genug Sprit zu haben. Die nächste Nach will ich nahe der Windjana Gorge verbringen und habe Mühe, diese vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Bei über 110 km/h auf der Piste treffe ich erst einen fetten Stein und hebe kurz ab und dann bürste ich fast ein Wallaby weg. Und alles wegen eines verlorenen Kennzeichens! Aber ich schaffe es bis zum Nationalparkcampingplatz.
Die vom Lennard River geschaffene Windjana Gorge ist noch spektakulärer als die Bell Gorge. Mitten in der Ebene ragt eine mind. 100 m hohe und so weit das Auge sieht reichende Mauer empor. Für mich sieht das aus wie eine Festungsanlage der Natur. Und an einer Stelle hat der Lennard River eine Bresche hineingefräst. Er hat selbst am Ende der Trockenzeit noch genug Wasser um die kleinen Süßwasserkrokodile schwimmen zu lassen. Durch die Bäume fliegen weiße Kakadus und weiter am Weg hängen tausende Flughunde in den fluterprobten Bäumen. Nach ein paar Kilometern drehe ich um, denn die Hitze nimmt schon wieder sehr zu. Bis nach Derby geht es danach. Am Abend gehe ich mit meinem Zeltnachbarn in den örtlichen Spinifex Pub essen. Er hat vor zehn Jahren mal ein paar Semester Philosophie studiert und wollte dann einfach eine Weile arbeiten. Aus einer Weile wurden viele Jahre auf Rinderfarmen in ganz Australien. Jetzt ist er wieder auf dem Weg Heim nach Victoria und will sein Studium beenden. Als wir uns auf dem Zeltplatz unterhalten sieht er aus, als hätte er gerade tausende von Rindern gemustert. Seine Sachen stehen vor Dreck. Aber als es heißt in den Pub zu gehen verschwindet er in der Dusche und kommt als neuer Mensch wieder, gewaschen, gekämmt und mit viel zu viel Aftershave. Und sogar der speckige Hut wird gegen einen Besseren ausgetauscht. Ja, die Bier zapfenden Damen hinter dem Tresen haben es ihm wohl schon letzte Nacht angetan und auf den Rinderfarmen gibt es so was nicht zu sehen. Als ich von meiner Reise erzähle und meine, dass ich einfach mal wissen wollte, was ich alles bei einem Langstreckenflug zwischen Deutschland und Australien verpasse, kommt doch wieder der Philosoph in ihm durch und er meint: „Heute zählt für Viele nur noch das Ergebnis (Ankommen in Australien) und der Prozess (die Reise dahin) ist nachrangig.“. Ich denke da hat er ein wahres Wort gesprochen.
In Broome angekommen, campe ich nahe dem Cabel Beach. Ich mache einen Ölwechsel in einer Werkstatt und lasse mir ein „neues“ Kennzeichen ausdrucken und laminieren. Mit etwas Tape (DIE Allzweckwaffe unterwegs) wird dieses befestigt und ich bin wieder als Ausländer erkennbar. An einem Abend gehe ich in das Uralte Sun Cinema. Unter freiem Himmel und in einem Leinenliegestuhl sitzend sehe ich „Inglorious Bastards“ während Flugzeuge über uns starten und riesige Flughunde durch das Bild schweben.

Eine Nacht mit Herrmann

Bevor ich nach Sydney fliege um Helge zu treffen, lagere ich das Bike im Schuppen des Zeltplatzes sicher ein. Mein Flug geht über Perth und Melbourne. Und ich bemerke bei 13 Grad in Perth schnell, dass ich meine Kapuzenjacke in Broome auf dem Flughafen vergessen habe. Mein erster Anruf von Sydney aus geht also an den Flughafen in Broome, wo man meine Jacke gefunden hat und mir verspricht sie sicher bis zu meiner Rückkehr zu verwahren. Die nächsten Tage schlafe ich in einem Hostel in Glebe, nahe der Innenstadt.
Und natürlich gehe ich mit Mario an einigen Abenden aus. Am Tag vor Helges Ankunft hole ich ihn von der Arbeit ab und wir besuchen erst zwei Pubs in den Rocks, nahe der Harbour Bridge und bewegen uns dann langsam zu Fuß Richtung Glebe. In jedem dritten Pub kehren (im Australischen: „pub crawl home“) wir ein. Als wir bei Mario ankommen, entscheiden wir uns, den Abend noch nicht zu beenden. Mario springt schnell aus seinen Arbeitsklamotten in etwas Bequemeres und schon sitzen wir in einem Taxi zurück Richtung Innenstadt. Der erste Laden in den wir wollen, es handelt sich natürlich um einen Stripclub, lässt mich nicht rein, weil ich Sandalen anhab. Als ich den Türsteher bequatschen will, dass das doch keine Sandalen seien, meint der zweieinhalb Zentner Mann nur „Ich hab zwei Jahre in einem Schuhladen gearbeitet und das sind Sandalen. Ich kann deine Strümpfe sehen!“. Ok, also wieder in die nächste Taxe und weiter. Wir landen am Ende bei den „Show Girls“ wo Mario uns gleich mal direkt am Tanztisch platziert. Noch bevor das erste Bier gelehrt ist, beugt sich die Tante die gerade tanzt herunter, macht ein wenig Smalltalk und meint zu Mario „Also Süßer, für 20 Dollar lass ich alles fallen.“. Mario mit glasigem Blick: “Ach … yo!“ und grabscht in seinem mit nur fünfzig Dollarnoten gefüllten Geldbeutel herum. Ich helfe ihm aus und platziere 20 Dollar bei der Dame die daraufhin gesagtes tut. Lustigerweise unterhalten wir uns auch dabei noch über ganz andere Sachen und vergessen ab und an hinzusehen. Das geht noch über eine Stunde so und wir lassen noch einige Mädels an- und abtanzen. Aber irgendwann, etliche teure Biere und ein wenig Smalltalk mit dem internationalen Personal später hauen wir ab und schnappen das nächste Taxi nach Hause. Es ist drei Uhr als ich ins Hostelbett falle. Mein in weiser Voraussicht gestelltes Handy überhöre ich mehrfach und verpasse damit das auf 5:15 Uhr bestellte Shuttle zum Flughafen. Um 5:45 Uhr werde ich doch wach, erschrecke und greife mir draußen das nächste Taxi: „zum Flughafen…schnell!“. Der Vietnamese fährt zügig und ich schaffe es mir sogar noch auf der Flughafentoilette die Zähne zu putzen und an einem der Stände einen Kaffee zu trinken. Als Helge endlich vor mir steht, sind ihre ersten Worte: “Du hast eine Fahne!“. Großartig! Eine Nacht mit Herrmann! Aber ich war ja auch nicht unschuldig.

Syndey Clubszene… da gibt’s besseres!

Die Tage mit Helge vergehen wieder wie im Fluge. Wir bleiben im selben Hostel allerdings in einem Doppelzimmer und erkunden von hier aus die Stadt. Gleich am Samstag schmeißt Mario eine Party für uns und lädt allerlei Freunde und Bekannte dazu ein. Gegen zwölf ziehen wir in eine Kneipe mit Live-Musik um und lassen den Abend dort ausklingen. Am Sonntag danach besuchen wir, noch recht müde, ein Konzert im großen Saal der Sydney Opera und sind vor allem vom Stück eines Letten sehr fasziniert.
So vieles gibt es zu sehen und zu tun in Sydney aber trotzdem gehen wir es in Ruhe an. Wir besteigen die Harbour Bridge, essen auf dem Fischmarkt, besuchen das Aquarium, fahren mit der Fähre in den Strandort Manly hinaus, liegen in Bondi am Strand, besteigen den AMP-Turm, essen auf dem abendlichen Nudelmarkt im Hydepark, besuchen den Markt in Paddington und laufen den Küstenwanderweg von Coogee nach Bondi. Nebenbei fallen vor allem mir ein paar wirklich nette „Ersatzstücke“ für meine inzwischen etwas ramponierte Garderobe in die Hand. Und besonders gefällt uns das vielfältige Essensangebot aus aller Welt. So essen wir beim Inder, Chinesen, Thai, Vietnamesen…. Und am Abend nehmen wir immer den von uns innig geliebten Bananenpudding vom Thai um die Ecke mit aufs Zimmer.
Am letzten Freitag wollen wir noch einmal mit Mario ausgehen. Wir beginnen in einem netten Pub voller junger Leute und sind danach leider wirklich enttäuscht vom Nachtleben in Sydney. In drei Clubs in denen eigentlich die Hölle los sein sollte, geht einfach nichts. Keiner tanzt! Eine Weile sind wir in einem alternativen Laden mit einer hyperlauten Punkband. Aber als die fertig sind ist auch hier Ende. Und schließlich werden wir am Eingang eines Tanzschuppens abgewiesen. Na wenn das in Sachen Clubszene alles ist Sydney…gute Nacht!
Am Tag der Abreise von Helge regnet es und auch am nächsten Tag, als ich wieder nach Broome fliege, gießt es aus Eimern! Da haben wir das Wetter gut abgepasst.

Rekorde

Zurück in Broome hole ich meinen Pullover vom Fundbüro am Flughafen ab und lasse am nächsten Tag den in Sydney gekauften und von mir eingeflogenen Hinterreifen aufziehen. Den Rest des Tages hänge ich am Strand ab. Die Luftfeuchtigkeit ist in den zwei Wochen meiner Abwesenheit dramatisch gestiegen und die Regenzeit nicht mehr fern. Da bin ich also froh Broome Richtung Südwesten zu verlassen.
Die 620 km nach Port Hedland werden bei Temperaturen weit über 40 Grad zu einem wahrlich heißen Ritt! Während der Fahrt ist es ab und an so heiß, dass ich das Gefühl habe, im Abgasstrahl eines Düsenjets zu fahren…mit Nachbrenner an wohlgemerkt! Ich trinke 6,5 Liter Wasser und bin fertig als ich ankomme. Die Tante an der Rezeption meint, es wäre 42 Grad heute gewesen. Das war gemessen in Port Hedland, das am Meer liegt. 20 Kilometer im Landesinneren fühlte es sich für mich wie 50 Grad an! So heiß war es noch nicht auf meiner Reise!
Am nächsten Tag breche ich alle Rekorde im Versuch der Hitze Richtung Süden zu entkommen und ziehe die 780 km bis nach Coral Bay durch. Da bin ich natürlich am folgenden Tag mehr auf Liegen am Strand bzw. Schwimmen und Schnorcheln aus, als auf Sitzen. In Coral Bay ragt das Ningaloo Reef so nahe an den Strand heran, dass man einfach nur hineinlaufen muss um all die wunderbaren Korallen und bunten Fische um sich sehen. Also tat ich das bewaffnet mit einer geliehenen Schnorchelausrüstung. Die Temperaturen bewegten sich auch nun nur noch um 35 Grad und am Abend kam eine kühlende Brise über das Meer gezogen. Wie gut ich da schlief!
Trotzdem hielt es mich nicht weiter hier.
Weiter ging es nach Hamelin, um den uralten Stromatoliten (Einzellern in Kolonien leben, die aussehen wie Steine) einen Besuch abzustatten. Cervantes schließlich mit der mystischen Pinnacles Desert, die aus tausenden Steinkonen besteht, die wie eine versteinerte Armee in der Wüste darauf wartet wiederbelebt zu werden, ist die letzte Station vor Perth. Hier bleibe ich einen Tag und organisiere weitere Dinge für die Verschiffung des Bikes nach Deutschland.

Es geht dem Ende zu. Aus irgendeinem Grund bin ich müde, müde vom Reisen, müde meine Geschichte zu erzählen, müde der immer neuen Stationen. Ich sehne mich nach einem zu Hause, nach all den Menschen die ich zurückgelassen habe und einfach auch nach ein wenig Alltag. Es wird Zeit anzukommen und es ist ok so!


Besser als neu...oder?


Bell Gorge


Windjana Gorge


Crazy Herrmann


Sydney Opera...und wir waren drin!!!


Auf dem Küstenweg von Coogee nach Bondi


Blick vom AMP Tower in den Hyde Park und den abendlichen Nudelmarkt


Blues Brother oder was?


Paradise Beach nahe Coral Bay


The Pinnacles

Kommentare:

Mario hat gesagt…

ist der Ruf erst ruiniert...

Schäfchen hat gesagt…

määähääähhh...
Wie ich da so lese, wird gerade in den letzten Woche im Aussieland doch noch ein "richtiger Kerl" aus dir.
Strategisch natürlich unklug die Dame des Herzens mit ner Fahne nach 2h Schlaf nach nem Besuch im Striplokal zu empfangen. Bei nem Ausflug ins Nachleben mir Hr. Mann natürlich absolut erwartungskonform.
Schöne Lanschaften haste dir da noch mal angeschaut im Westen, aber jetzt wirds wirklich langsam Zeit, dass du zurückkehrst.

bis bald